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Eudoxias Traum (2019)

Carl Djerassi, Erfinder der Antibaby-Pille und erfolgreicher Schriftsteller, erfand auch die Romangattung "Science-in-fiction", eine Integration von Wissenschaft in Kunst und Literatur. Etwas Ähnliches ist wohl auch der Roman EUDOXIAS TRAUM geworden.
 
Eudoxia, die Hauptfigur des Romans, ist eine junge Philosophieprofessorin an einer Anstalt für höhere Bildung. Obwohl sie ihre Tätigkeit als Lehrerin liebt, ist sie unzufrieden. Sie träumt davon zu reisen und in eine andere Welt einzutauchen. Noch denkt sie in den Mustern gängiger Vorurteile. Bei einem einsamen Spaziergang im Herbst beobachtet sie die Zugvögel bei ihren Vorbereitungen auf ihre weite und lange Reise in die Fremde und wie sie dabei als Schwarm, als eine einzige Einheit reagieren. ‚Schwärmen müsste man können!‘, denkt sie dabei und stellt damit ein gängiges Vorurteil noch unreflektiert in Frage. 

Beim Weiterwandern begegnet sie einem jungen, etwas verwegen aussehenden Mann. Sie vermutet, dass sie ihn kennen könnte, ist sich aber nicht sicher. Neugierig versucht sie ihn in ein Gespräch zu verwickeln, um herauszufinden, ob ihre Vermutung stimmt. Doch so ganz gelingt es ihr nicht, ihn aus der Reserve zu locken. Erst als sie ihren Lieblingsphilosophen Martin Heidegger erwähnt, beginnt der Fremdling unerwartetes Interesse zu zeigen und Kommentare zu machen. Damit nimmt eine ungewöhnliche Beziehung ihren Anfang, die ziemlich anders verläuft, als man sich das vorstellen würde. Angestoßen durch diese Begegnung beginnt Eudoxia ihr eigenes Selbst mit anderen Augen zu betrachten, und mit diesem anderen Blick verändert sich auch ihr Blick auf die Welt.

Zuerst beginnt sie die Schule und ihre Schüler anders wahrzunehmen. Nach einiger Zeit merkt sie, dass auch die Schule nur Teil jenes Systems ist, das dafür verantwortlich ist, dass sie sich immer mehr danach sehnt, so wie die Zugvögel ‚schwärmen‘ zu können.

Zugleich wird ihr aber bewusst, dass sie nie ein Zugvogel sein wird, und sie begreift nun, dass die Regeln des ‚Systems‘ verändert werden müssen. Sie beginnt zu verstehen, dass sie lernen muss, ungehorsam zu sein, um zu sich selbst zu finden. »Wenn ich ich-selbst sein will, muss ich Ungehorsam lernen«, notiert sie irgendwann, »und wohl auch einmal ins ‚Apeiron‘ abtauchen.« 

Doch in der Folge wird ihr klar, dass es damit noch nicht getan sein kann. Denn solange sie das alleine macht, würde sie nur  Außenseiterin und folglich einsam sein. Doch sie liebt die Menschen und die Jugend. Es reicht also nicht, nur sich selbst zu finden! Einsamer Ungehorsam ist sinnlos. Sinn findet sich erst im Bestreben, das ‚System‘ selbst zu ändern! 

Ihr erster Versuch der Veränderung gilt der Schule. Dazu braucht sie Verbündete, die sie vor allem, aber nicht nur in den Schülern findet. Doch auch diese Veränderung ist ihr bald zu wenig, denn die Schule ist ja auch nur Teil des ‚Systems‘. Dies wäre bloß ein Tropfen auf einem heißen Stein - er würde unbemerkt verdunsten. Folglich muss das ‚System‘ selbst hinterfragt, analysiert und umgewandelt werden. Doch wie?

Am Ende kämpft sie für ein gynäkokratisches,  gemeinschaftliches Zusammenleben, das sich wesentlich von dem unterscheidet, das die Majorität der gegenwärtige Frauenbewegung anstrebt. Eudoxias Zielvorstellung lässt sich letztlich auf den Punkt bringen: ‚Small is beautiful!‘
 
Nicht nur aufgrund dieser unüblichen Synthese ist der Roman herausfordernd.

- Manfred E.A. Schmutzer, 600 Seiten, ISBN 9783850523905, Ibera Verlag (Cover)

Erhältlich
    - als Buch im Handel und online z.B. beim Ibera Verlag

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© KS | Letzter update 3 November 2019
Zitat: Scientia et potentia in idem coincidunt Scientia et sapientia numquam coincidunt